Mit gutem Beispiel voran

| Autor: Heike Saure

Volkmarserin Ursula Watzl engagiert sich seit 22 Jahren ehrenamtlich

BAD AROLSEN. Beruhigend streichelt Ursula Watzl Tanja Decker über den Rücken, spricht mit ihr und rückt ihr den Rollator in die richtige Position. In 22 Jahren ehrenamtlicher Betreuung hat sich ein sehr liebevolles Verhältnis zwischen den beiden aufgebaut. Ursula Watzl verschenkt fast monatlich Zeit und ist ein tolles Beispiel dafür, wie die ehrenamtliche Betreuung von Menschen mit Behinderung sich entwickeln und ablaufen kann.
„Anfangs waren wir uns ganz fremd“, erinnert sich die Volkmarserin Ursula Watzl an die ersten Begegnungen mit Tanja Decker, die im Haus Ahorn des Bathildisheim e.V. in Neu-Berich lebt. Noch heute ist sie sich nicht sicher, ob die behinderte Frau, die inzwischen 46 Jahre alt ist, sie versteht. Doch das tut der Beziehung der Beiden keinen Abbruch. Spaziergänge in der Umgebung sowie Ausflüge nach Hardehausen oder an den Twistesee sind zur liebgewonnenen und regelmäßigen Gewohnheit geworden. Fehlen darf ein Besuch im Café oder einer Eisdiele dabei nie.
„Nähe und Essen sind ihr ganz wichtig“, ist sich Ursula Watzl sicher, dass sich Tanja Decker über die ungeteilte Aufmerksamkeit freut. Bei dem Gespräch sitzen die Beiden gemeinsam in der Hollywood-Schaukel vor dem Wohnhaus, Frau Decker schmiegt sich vertrauensvoll an Frau Watzl. Anfangs hieß es einige Hürden zu nehmen, hatte Ursula Watzl, die inzwischen in Rente ist, in ihrem Leben doch kaum Berührungspunkte mit behinderten Menschen. „Ich bin da ganz blauäugig reingerutscht“, erinnert sie sich.
Und damit ist eigentlich auch schon die Voraussetzung für eine ehrenamtliche Betreuung von Menschen, die im Bathildisheim e.V. leben, angesprochen. Denn es gibt keine Voraussetzungen. Niemand, der sich ehrenamtlich engagieren möchte, benötigt eine medizinische oder pädagogische Ausbildung. „Die Chemie muss stimmen“, weiß Ursula Watzl. Es geht ihr auch nicht um die Entlastung der Mitarbeiter, sondern nur um die Bewohner. Sie, die sich auch am Besuchsdienst im Volkmarser Krankenhaus beteiligt, hat in all den Jahren viel mehr zurückbekommen als sie gegeben hat. Im Bekanntenkreis bekommt sie jedoch oft die Rückmeldungen „Das könnte ich nicht“ oder „Wenn ich einmal in Rente bin“, dabei verpflichtet die ehrenamtliche Betreuung zu nichts und soll auch keine zeitliche Belastung darstellen.
Ob in Neu-Berich, Volkmarsen, Wolfhagen oder in den Wohnhäusern im Bad Arolser Stadtgebiet – überall würden sich Menschen, die ein Wohnangebot des Bathildisheim e.V. in Anspruch nehmen, über jemanden freuen, der ihnen Zeit schenkt. Sei es bei einem gemeinsamen Kirchenbesuch, im Kino, in der Eisdiele oder einfach nur bei einem gemeinsamen Spaziergang oder Gesprächen. Die Wünsche sind dabei so individuell wie die Menschen, die dahinterstehen.
Wenn auch Sie sich vorstellen könnten, Zeit an einen Menschen mit Behinderung zu verschenken, dann setzen Sie sich mit unserer Ehrenamtskoordinatorin Frau Andrea Pilapl unter 05691 6298610 oder a.pilapl@bathildisheim.de in Verbindung oder informieren Sie sich über www.bunte-vielfalt.com.

 

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