Luther und der Kürbis

| Autor: Maren Jahnke, Pfarrerin Bathildisheim

Unter #Nachdenkliches macht Pfarrerin Maren Jahnke sich Gedanken zu Gott und der Welt und lädt dazu ein, die Gedanken mitzugehen.

Morgen ist Reformationstag. Aber morgen ist aber auch Halloween und bei den meisten Kindern steht das mittlerweile im Mittelpunkt.

Normalerweise (wenn es nicht, wie in diesem Jahr wegen Corona keine gute Idee ist), gehen die Kinder von Haus zu Haus. Die Kinder können eben mit gruseligen Masken, ausgehöhlten Kürbissen und der Aussicht auf Süßigkeiten mehr anfangen als mit einem „Reformationstag“. Aber was mache ich, wenn sie klingeln? Soll ich sie deshalb abweisen – oder in Sachen „Reformation“ unterweisen?

Wenn die Kinder klingeln, dann bekommen sie bei mir ein Bonbon oder einen Keks. Allerdings einen Lutherbonbon oder einen Lutherkeks. Damit versuche ich mit ihnen ins Gespräch zu kommen (oft sind ja auch die Eltern mit dabei). Ich frage sie, warum sie klingeln, was sie feiern – und ob sie sich gerne gruseln. Und dann sage ich ihnen, warum ich Reformationstag feiere: Ich möchte mich nämlich nicht gruseln!

In diesem Jahr wird es wohl anders sein. Um die Häuser streifen, an fremden Türen klingeln - wohl keine gute Idee! Die Gesellschaft gruselt sich stärker vor diesem Virus, als vor dem Gedanken, den Reformationstag durch Halloween zu verdrängen.

Ob das eine Chance für das Reformationsfest sein kann? Für mich sind Luther und die Reformation jedenfalls immer noch und immer wieder neu von Bedeutung und aktuell!

Warum? Weil Luther in seiner Zeit – es war das Mittelalter –, gerade gegen Angst und Furcht angekämpft hat. Als Kind seiner Zeit glaubte er noch sehr real an den Teufel und an böse Mächte. Er erlebte, wie die Pest die Menschen wirklich zu Tausenden dahin raffte- weitaus schlimmer noch als heute Corona. Und er fragte sich, wie solche Ängste in den Griff zu bekommen sind. „Was kann ich tun, damit ich nicht ständig Angst haben muss, dass mir das Leben entgleite? Wie kann ich mich Gott nähern und seine Liebe spüren?“ so fragte er sich.

Und er studierte die Bibel. Und er fand in ihr eine Antwort.

Im Römerbrief las er: „Der Mensch wird aus Glauben gerecht…“ Das heißt: Ich muss mich nicht anstrengen, um Gott zu spüren und mein Leben in den Griff zu bekommen. Das Leben ist mir schon geschenkt, von Gott! Und ich darf dieses Leben jeden Tag neu entdecken und gestalten – ganz ohne Angst und Furcht.

Dieses starke Vertrauen in seinen Gott hat Luther dazu gebracht, allen Menschen von diesem Gott zu erzählen. Gegen alle Widerstände kämpfte er für eine Kirche, in der der Mensch und seine Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen. Eine Kirche, die ein eigenständiges Denken, auch im Glauben, ermöglicht!

Luther hat damit die Weltgeschichte und Kirche für immer verändert. Er konnte seine Angst bändigen und neue Freiheiten entdecken.

Feiern wir den Reformationstag – gegen alles Gruseln.

 

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