Arbeiten in einem Sozialunternehmen in Zeiten des Coronavirus

| Autor: Isabelle Schulz

Persönliche Einschätzung einer Erzieherin

Die Corona-Krise zieht spürbar immer enger werdende Kreise um uns. Und so stelle auch ich mir die Fragen: Wie gehe ich mit dieser Krise um? Was bedeutet es für mein Privatleben? Aber vor allem was bedeutet es für meine Arbeitsalltag? Was geht noch? Was ist wichtig?

Twitter und Google haben ihre Mitarbeiter ins Home Office geschickt. Ich bin Erzieherin und bei uns im Unternehmen für eine Seniorengruppe im Bereich Wohnen zuständig. Das Wesen meiner Arbeit ist am Menschen, daher Home Office und totale Kontaktvermeidung unmöglich. Meine Klienten kenne ich zum Teil schon seit vielen Jahren, und sie sind wie meine zweite Familie.

Selbstverständlich setzen wir alle offiziellen und uns zusätzlich möglichen Maßnahmen um: vermehrtes Händewaschen, keine Teilnahme an Veranstaltungen, Hust- und Niesetikette achten usw. Wir machen jetzt nur noch Ausflüge ohne wenig Riskio, Spaziergänge zum Beispiel. Auch in meinem Privatleben nehme ich Einschränkungen gerne hin, um das Risiko zu minimieren und den Virus nicht mit zu meinen Klienten zu bringen. Doch ein gewisses Risiko, besonders wenn man Kinder hat, besteht eben leider immer. Und ganz abschotten geht mit Familie eben nicht.

Täglich wird in den Nachrichten berichtet, wo der Virus auftritt, was die Experten sagen, was es für neue Einschränkungen gibt. Auch meine Klienten schauen diese Nachrichten. Als Bezugsperson erwarten die Bewohner Feedback zu den aktuellen Ereignissen von mir. Die Verunsicherung, bei denen, die den Nachrichten inhaltlich folgen können, hält sich  - zumindest noch - in Grenzen. Das liegt aber auch daran, dass wir über unsere Empfindungen und Ängste sprechen. Ich versuche das Geschehen realistisch einzuordnen ohne Panik zu verbreiten. Eine Gradwanderung, aber bisher gelingt es mir. Und ich versuche vor allem dennoch positive Stimmung und Fröhlichkeit zu verbreiten.

Eine gute Balance zu finden ist für mich momentan das Wichtigste. Zwischen den sinnvollen Vorsichtsmaßnahmen und der Verbindung zu meinen Klienten. Diese Nähe (ob tatsächlich physisch oder psychisch), möchte ich trotz Corona-Krise noch in meinem Arbeitsalltag nicht aus den Augen verlieren. Denn sie schafft etwas, was doch so wichtig ist: Stabilität. Und ich bin überzeugt, dass wir nur so solche Krisen überstehen können, nämlich in der Gemeinschaft.

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Isabelle Schulz, Erzieherin im Bathildisheim, verliert trotz Corona-Krise nicht die Freude an ihrer Arbeit.